Digitale Schulbücher: Welche Systeme gibt es und wie funktionieren sie?
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Digitales Schulbuch oder E-Book: Wo ist der Unterschied?
Ein normales E-Book kaufst du einmal und behältst es. Das digitale Schulbuch funktioniert anders: Es ist fast immer eine zeitlich befristete Lizenz (typisch: ein Schuljahr) auf einer Verlagsplattform, läuft im Browser oder in der Verlags-App und verschwindet nach Lizenzende. Dafür kann es mehr als ein PDF: Interaktive Ausgaben ergänzen Videos, Audio, Übungen mit Selbstkontrolle und Notizfunktionen. Auf E-Ink-Readern laufen diese Plattformen nicht, das Standardgerät ist das Tablet.
Die Systeme der großen Verlage
| Verlag | System | Was es ist | Zugang |
|---|---|---|---|
| Cornelsen | E-Book / E-Book+ und mBook | Digitale Buchausgabe bzw. multimediales, interaktives Schulbuch | Lizenzcode, Cornelsen-Konto, App oder Browser |
| Westermann | BiBox | Digitales Schulbuch plus Materialien und Übungen | Lizenzcode, Westermann-Konto |
| Klett | eBook pro / Klett Lernen App | Digitale Buchausgabe mit Medien und Übungen | Nutzerschlüssel, Klett-Konto |
| Verlagsübergreifend | Bildungslogin | Ein Login für digitale Bildungsmedien mehrerer Verlage | Über die Schule |
| Österreich | Digi4School | Zentrale Plattform für digitale Schulbuchausgaben | Code aus dem gedruckten Buch |
Begriffsklärung: mBook, Bookii, zyBook, T-Book
Rund um digitale Lernmedien kursieren Namen, die wenig miteinander zu tun haben. Die Landkarte:
- mBook
- Das multimediale Schulbuch von Cornelsen, hervorgegangen aus dem preisgekrönten mBook-Projekt des Instituts für digitales Lernen: durchgehend interaktiv mit Videos, Audio und Aufgaben, zuerst für Geschichte und Gesellschaftslehre.
- Bookii
- Der digitale Hörstift des Tessloff-Verlags (Nachfolger des TING-Stifts): Kinder tippen mit dem Stift auf Buchseiten und hören Texte, Geräusche und Erklärungen. Ein Vorlese- und Mitmach-System für Kita und Grundschule, kein Schulbuch-Ersatz.
- zyBook
- Interaktives, englischsprachiges Uni-Lehrbuch des US-Anbieters zyBooks (Wiley), verbreitet in Informatik- und MINT-Kursen: Animationen und Pflichtübungen statt Fließtext, bezahlt pro Semesterzugang.
- T-Book
- Kein etablierter Standard: Der Begriff wird uneinheitlich für interaktive Tablet-Lehrbücher oder einzelne Herstellerprodukte verwendet. Im Zweifel klären, welches konkrete System gemeint ist.
- Antolin
- Westermanns Leseförderprogramm: Kinder lesen Bücher (gedruckt oder digital, auch am Tolino) und beantworten online Quizfragen dazu, Punkte motivieren zum Weiterlesen.
Wie löst du Lizenzcodes ein?
Das Muster ist bei allen Verlagen gleich: Konto auf der Verlagsplattform anlegen (Cornelsen, Westermann/BiBox, Klett), den gekauften oder von der Schule ausgegebenen Code eingeben, danach erscheint das Buch im eigenen digitalen Regal und lässt sich im Browser oder in der App öffnen, oft auch offline. Drei Stolpersteine: Codes sind meist an eine Person gebunden und nur einmal einlösbar, Lizenzen laufen nach einem Schuljahr oder einer festen Frist ab, und das Konto muss zur Schulform passen (Lehrer- und Schülerlizenzen unterscheiden sich im Umfang).
Sind digitale Schulbücher Pflicht?
Nein. Bildung ist Ländersache, und keine Landesregelung schreibt flächendeckend digitale Schulbücher vor. In der Praxis entscheiden Schulen und Fachschaften, häufig als Hybrid: gedrucktes Buch im Klassensatz, digitale Lizenz für zuhause oder fürs Tablet-Projekt. Österreich ist über die zentrale Plattform Digi4School einen Schritt weiter, dort liegt vielen gedruckten Schulbüchern der Digitalzugang automatisch bei.
Was Eltern wirklich brauchen
Dreierlei. Erstens Klarheit, welches System die Schule nutzt, bevor Geräte gekauft werden: Für mBook, BiBox und eBook pro genügt ein Tablet oder Laptop mit Browser, ein E-Reader reicht nicht. Zweitens die Codes sauber verwalten: Zugangsdaten und Lizenzlaufzeiten notieren, Codes nicht doppelt kaufen. Drittens fürs Lesen abseits der Schule lohnt der Blick auf die kostenlosen Wege: Onleihe mit dem oft gebührenfreien Kinderausweis, Antolin-Leseförderung und gemeinfreie Klassiker für die Schullektüre von Fontane bis Kafka.
Nächste Fragen, die Leser stellen
Häufige Fragen zu digitalen Schulbüchern
Sind digitale Schulbücher Pflicht?
Nein, eine generelle Pflicht gibt es in Deutschland nicht. Ob und wie digitale Schulbücher eingesetzt werden, entscheiden Bundesländer, Schulträger und Schulen. Üblich ist ein Mix: gedrucktes Buch plus digitale Ausgabe oder Plattform-Lizenz.
Was ist der Unterschied zwischen einem E-Book und einem digitalen Schulbuch?
Das digitale Schulbuch ist meist keine Datei, sondern eine Plattform-Lizenz: Es läuft im Browser oder in der Verlags-App, ist oft auf ein Schuljahr befristet und enthält je nach System interaktive Übungen. Ein normales E-Book gehört dir dauerhaft als EPUB oder Kindle-Titel.
Was ist ein Zybook?
zyBooks sind interaktive, englischsprachige Lehrbücher des US-Anbieters zyBooks (zu Wiley gehörend), vor allem für Informatik- und MINT-Kurse an Hochschulen. Statt langer Texte gibt es Animationen und Übungsaufgaben, abgerechnet pro Semesterzugang. Mit deutschen Schulbüchern hat das System nichts zu tun.
Was ist ein T-Book?
T-Book ist kein etablierter Standard, sondern ein uneinheitlich verwendeter Begriff: Mal ist ein interaktives Lehrbuch fürs Tablet gemeint, mal ein herstellerspezifisches Produkt. Wer den Begriff in einer Schulmitteilung liest, fragt am besten nach, welches konkrete System die Schule nutzt.
Funktionieren digitale Schulbücher auf dem E-Reader?
In der Regel nein. Die Verlagsplattformen (mBook, BiBox, eBook pro) laufen im Browser und in Apps für Tablet und Laptop, nicht auf E-Ink-Readern. Fürs Schularbeiten-Setup ist deshalb meist ein Tablet die richtige Wahl.
Fazit in 30 Sekunden
Digitale Schulbücher sind Plattform-Lizenzen der Verlage: mBook bei Cornelsen, BiBox bei Westermann, eBook pro bei Klett, eingelöst per Code, befristet aufs Schuljahr, genutzt am Tablet. Bookii ist dagegen ein Hörstift für Kinderbücher, zyBooks ein US-Unisystem, und T-Book kein fester Standard. Eine Pflicht zum digitalen Schulbuch gibt es nicht, der Hybrid aus Print und Lizenz ist der Normalfall.
Quellen und weiterführende Links
- Cornelsen: mBook
- Westermann: BiBox
- Klett: eBook pro
- Tessloff: Bookii-FAQ
- zyBooks (Wiley, englisch)
- öbv: Digi4School (Österreich)
- Wikipedia: MBook-Projekt
Fakten zur Redaktion und zum Portal